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Simona,verwaiste Muttererzählt

Die Geschichte von Tiia

Simona erzählt von ihrer Tochter Tiia, die mit knapp dreieinhalb Jahren plötzlich krank wurde. Aus einer scheinbar harmlosen Erkältung entwickelt sich etwas, das niemand ahnt und das den Alltag der jungen Familie Schritt für Schritt auf den Kopf stellt. Zwischen Hoffen und Bangen, zwischen „Es ist bestimmt nichts“ und dem wachsenden Gefühl, dass doch etwas nicht stimmt, sucht Simona gemeinsam mit ihrem Partner nach Antworten. Sie erlebt, wie zerbrechlich das Bild einer sicheren Zukunft werden kann – und wie schmerzhaft es ist, wenn man sein Kind verliert. Gleichzeitig berichtet sie davon, wie es war, sich nach Tiias Tod wieder für ein weiteres Kind zu entscheiden und eine neue Schwangerschaft als Achterbahn der Gefühle zu durchleben. Ihre Geschichte nimmt uns mit in Zweifel, Liebe, Angst und leise Hoffnung.

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Erzählt am2. September 2026
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Zeitabschnitt

Diagnose und Behandlungen

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Stephi: Hallo miteinander. Schön, dass ihr in diese Podcast-Folge reinhört. Ich finde, wir sprechen heute über ein sehr wichtiges Thema. Es geht um eine Schwangerschaft nach einem Kindverlust. Das ist ein unglaublicher Verlust, ein immenser Schmerz, und die Welt bleibt stehen. Es ist ein Schmerz, der mit nichts zu vergleichen ist. Neben dem Verlust des Kindes verliert man auch ein Stück weit die Zukunft. Das Lebensbild, das man sich aufgebaut hat, die Vorstellung davon, wie die Zukunft sein sollte, ist auf einmal nicht mehr da. Und auch wenn man sich vielleicht noch jung fühlt und denkt, dass man irgendwann vielleicht wieder ein Kind bekommen könnte, fragt man sich, ob man das überhaupt will. Will ich noch einmal ein Kind haben? Denn wenn ich noch einmal ein Kind bekomme, sage ich zwar Ja zu einem Lebewesen, aber gleichzeitig sage ich vielleicht auch wieder Ja zum Tod. Wir haben uns damals entschieden, wieder ein Kind zu bekommen. Das war ein Prozess. Es ist nicht von heute auf morgen passiert, aber wir konnten uns wieder dafür entscheiden. Die Schwangerschaft hat mich total überfordert, obwohl Kiana ein absolutes Wunschkind war. Sie war eine Achterbahn der Gefühle. Darum finde ich es unglaublich schön, dass wir heute über dieses Thema sprechen können. Dafür darf ich Simona treffen. Simona hat ihre Tochter Tiia verloren. Sie wird uns erzählen, wie Tiia gestorben ist. Auch sie konnten sich wieder dafür entscheiden, ein Kind zu bekommen. Und auch ihre Schwangerschaft war, soweit ich weiss, eine Achterbahn der Gefühle. Heute ist Leevi auf der Welt, und ich bin sehr gespannt, was Simona uns erzählen wird, wie es ihr ergangen ist und wie es ihr heute geht. Ich freue mich unglaublich auf sie und mache mich jetzt sehr gerne auf den Weg zu ihr. Simona, jetzt bin ich bei dir angekommen. Ich bin voller Vorfreude hierhergekommen, weil wir im Voraus schon ein bisschen Kontakt miteinander hatten, per WhatsApp, uns aber noch nie persönlich kennenlernen durften. Ich habe den Austausch mit dir immer sehr schön gefunden und freue mich darum jetzt riesig. Bist du bereit, in meinen Podcast zu kommen und uns in eure Emotionen und in eure Geschichte mitzunehmen? Wenn du magst, darfst du gerne erzählen, was bei euch passiert ist.

Simona: Sehr gerne. Ich bedanke mich natürlich auch sehr herzlich bei dir, dass ich hier mitmachen darf. Ich finde das ein sehr wichtiges Thema, weil ich während der ganzen Krankheit und auch nach Tiias Tod gespürt habe, dass es ganz unterschiedliche Menschen gibt. Darum finde ich es sehr wichtig, dass dieses Thema etwas mehr in die Welt hinausgetragen wird.


Stephi: Schön.

Simona: Tiia war im April 2022 stark erkältet. Sonst war sie ein ganz gesundes Kind.


Stephi: Wie alt war sie zu diesem Zeitpunkt?

Simona: Sie war drei. Im Dezember war sie drei geworden, sie war also knapp dreieinhalb. Wir haben uns damals keine grossen Gedanken gemacht und dachten, sie sei erkältet, das sei kein Problem. Die Erkältung war dann relativ schnell vorbei. Danach begann sie, sehr viel zu stolpern. Es war einfach komisch. Dann fiel uns auf, dass sie das rechte Bein immer etwas nachschleifte. Sie stolperte wirklich deswegen. Da macht man sich schon Gedanken. Gleichzeitig war da aber auch dieses Gefühl, nein, da ist nichts. Vielleicht kommt es von der Erkältung. Dann beginnt man, sich solche Gedanken zu machen. Vielleicht hat sie Zug bekommen, vielleicht ist im Rücken irgendetwas oder was auch immer. Wir gingen dann aber gleich noch einmal zum Kinderarzt. Er meinte, es könne sein, dass eine Erkältung, ein Infekt, auf einen Teil der Hirnhaut gehe. Ich sage jetzt, eine Art Hirnhautentzündung. Wir sollten dem noch etwas Zeit geben. Ich weiss gar nicht mehr, was er genau gesagt hat. Ich glaube, innerhalb von fünf Tagen müsste es besser sein.


Stephi: Habt ihr Medikamente bekommen?

Simona: Nein, nein, nichts. Nach fünf Tagen war es immer noch nicht besser. Jeden Abend ging man mit dem Gedanken ins Bett, dass sie morgen aufsteht und das Bein nicht mehr nachschleift. Es war nicht extrem, aber wenn man darauf achtete, sah man es. Am Tag davor, glaube ich, bevor die fünf Tage um waren, fiel uns auf, dass sie zum Beispiel nur noch mit links malte, den Löffel oder die Gabel nur noch mit links hielt und alles, was sie im Alltag machte, wirklich zu 95 Prozent nur noch mit der linken Hand tat. Nicholas fand dann, jetzt komme es ihm langsam komisch vor. Er wollte sie gleich noch einmal zeigen. Wir wollten am nächsten Tag wieder anrufen, und ich sagte, wir sollten noch warten, bis die sieben Tage um seien. Vielleicht tue sich in diesen zwei Tagen noch etwas. Beim Kinderarzt nahmen sie ihr dann Blut ab und testeten auf FSME, Hirnhautentzündung, Borreliose und noch diverse andere Sachen. Weil wir einen Hund haben, sind wir oft im Wald unterwegs. Zwei Tage später bekam ich den Anruf. Alles war tipptopp. Es gab also keinen Entzündungswert im Blut oder etwas in diese Richtung. Wir sollten ihr noch einmal drei Tage Zeit geben.


Stephi: Hattest du da schon den Gedanken, dass es Krebs sein könnte?

Simona: Nein, nein.


Stephi: Hast du dir diese Frage gar nicht gestellt?

Simona: In diesem Moment, zu diesem Zeitpunkt, wirklich nicht. Ich gehöre zu den Menschen, die im medizinischen oder gesundheitlichen Bereich eher wenig Hilfe in Anspruch nehmen. Ich bin auch nicht jemand, der gern ins Spital geht. Dann gingen wir noch einmal zum Kinderarzt, weil es immer noch nicht besser war, im Gegenteil. Er sagte, er wisse wirklich nicht mehr weiter. Er wolle, dass wir das abklären lassen, und er melde uns an. Um halb zwei müssten wir im Kispi in St. Gallen sein.


Stephi: Also ziemlich zügig.

Simona: Ja, genau. Wir hatten ja auch noch Liva. Sie war damals knapp ein halbes Jahr alt. Wir waren alle zusammen beim Kinderarzt gewesen, und ich gab Liva dann meinem Mami. Wir gingen nach Hause, assen noch etwas und fuhren danach ins Kispi. Auf dem Notfall mussten wir sehr lange warten. Irgendwann kam der Neuropädiater und machte Tests mit Tiia. Auf einem Bein hüpfen, auf einem Bein laufen und noch anderes. Danach sagte er uns, er möchte das mit einem CT genauer anschauen.


Stephi: Hat euch schon jemand gesagt, worauf der Verdacht besteht?

Simona: Nein, nichts. Nicholas hatte schon beim Kinderarzt in der Praxis leise gefragt, ob es ein Hirnschlag sein könnte. In solchen Momenten wird alles ganz klein. Wir waren wie auf eine Wolke versetzt. So nach dem Motto, lasst es einfach auf euch zukommen. Abends um sechs Uhr wurde dann das CT unter Schlafmittel gemacht. Danach kamen wir ziemlich zügig wieder zurück ins Notfallzimmer. Eine Stunde später kam der Neuropädiater herein und sagte, es sehe nicht gut aus. Er sehe etwas im Kopf, das dort nicht sein sollte. Das war so … ja. Ich habe es mir dann schöngeredet und dachte, vielleicht ist es ein Blutgerinnsel.


Stephi: Ja, ja, aber nicht …

Simona: Nein. Nicholas sagte sofort, es sei ein Tumor. Der Arzt blieb aber dabei, dass man weiter schauen müsse. Er könne keine Bestätigung geben. Man war immer noch auf dieser Wolke. Man wusste zwar, dass etwas im Kopf ist, das dort nicht sein sollte, aber man hatte keine Ahnung. Für mich war dann klar, dass ich nach Hause wollte. Ich wollte nach Hause.


Stephi: Oder haben sie sie behalten?

Simona: Das war dann eben ein bisschen das Thema. Der Neuropädiater sagte, am nächsten Tag würden sie ein MRI machen, und im Kispi hätten sie die Geräte nicht. Man müsse ins Kantonsspital. Ich dachte, das sei mir egal. Wir gehen heim. Wenn wir morgen um vier Uhr wieder hierher fahren müssen, ist mir das wirklich egal. Er brachte uns dann aber doch dazu, zu bleiben, und sagte, sonst sei es ein riesiger Stress für das Kind und auch für uns. Danach wurden wir auf ein Zimmer auf einer Station verlegt. Wir liefen dort hinein. Es war hinter einer verschlossenen Tür, und an dieser Tür stand Onkologie und Hämatologie.


Stephi: Da läuft es mir gerade kalt den Rücken hinunter.

Simona: Und ich wusste es sofort. Also, gewusst … ja, bei mir ist in diesem Moment der Zwanziger gefallen. Nicholas hat das alles nicht gesehen. Er war so in …


Stephi: Im Tunnel drin.

Simona: Genau. Am nächsten Morgen wurde dann ganz früh das MRI gemacht. Am Nachmittag um zwei hatten wir die Besprechung mit allen Ärzten. Dann hiess es, es sei ein Tumor, und er sei im Stammhirn. Was sie uns zu diesem Zeitpunkt schon sagen konnten, war, dass er inoperabel sei. Von aussen könne man nichts machen. Natürlich kamen dann Fragen. Ob es Therapien gibt, ob man ihn mit Chemo abtöten kann oder irgendetwas. Dann hiess es wieder, sie könnten uns keine weiteren Auskünfte geben. Man müsse eine Biopsie machen, um wirklich … Wie sagt man?


Stephi: Um schauen zu können, was es ist.

Simona: Genau. Eine Biopsie machen, um herauszufinden, was für eine Art Tumor es ist. Und weil er im Stammhirn war, war er wirklich inoperabel. Das leuchtete uns absolut ein.


Stephi: Das Stammhirn ist ja für alles zuständig.

Simona: Genau. Bewegung, die ganze Koordination, Schlucken, Atmen. Es ist im Grunde wirklich ein bisschen unser Motor. Was sie uns bestätigen konnten, war, dass Tiia dadurch keine Schmerzen hatte. Sie hatte also nicht Kopfweh oder Ähnliches. Sie hat auch nie nüchtern erbrochen, was bei Hirntumoren offenbar noch oft vorkommt. Das hatte sie nie. Das Laufen wurde durch die Schlafmittel beim CT und durch die Narkose beim MRI natürlich noch viel schlimmer. Im Kispi bewegte sie sich auf der Station wirklich auf einem Dreirädli, oder wir schoben sie. Ein paar Tage später wurde die Biopsie gemacht. Dazwischen durften wir wieder nach Hause. Nach der Biopsie folgten furchtbare Tage.


Stephi: Bis das Ergebnis kam.

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Zeitabschnitt

Das Ende wird absehbar

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Simona: Genau. Man wusste nicht, ob man ihn behandeln kann oder nicht und was es genau ist. Wir konnten wieder nach Hause und waren dann zu Hause. Am zehnten Tag, wirklich auf den Tag genau, riefen sie an. Sie hatten uns schon im Voraus gesagt, dass wir vorbeikommen müssten und dass sie am Telefon nichts sagen würden. Also gingen wir hin. Dort waren die Onkologin und der Neuropädiater. Sie sagten uns, dass nun wirklich das Schlimmste vom Schlimmsten eingetroffen sei.


Stephi: Also der schlimmste Traum ist eingetroffen.

Simona: Ja, genau. Sie konnten uns auch nicht sagen, ob es noch drei Wochen oder vier Monate dauern würde.


Stephi: Was sie aber sagen konnten, war, dass man nichts machen kann.

Simona: Genau. Wir konnten ihn also nicht mit einer Chemo verkleinern oder Ähnlichem. Was sie uns angeboten haben, war eine Bestrahlung. Das hätte bedeutet, sechs Wochen lang jeden Tag in den Aargau zu fahren, um Tiia beziehungsweise den Tumor bestrahlen zu lassen. Durch die Bestrahlung wäre er für kurze Zeit geschrumpft, und es wäre lebensverlängernd gewesen. Sie sprachen von etwa vier bis sechs Monaten.


Stephi: Okay. Aber für sie wäre das eine Tortur gewesen.

Simona: Ja, definitiv. Man hätte sie jedes Mal mit Dormicum sedieren müssen, und sie fuhr überhaupt nicht mehr gern Auto. Wahrscheinlich hatte auch ihr Sehvermögen nachgelassen. Sie war in der Auffassung nicht mehr so schnell, und das brachte sie völlig aus dem Konzept. Man hätte sie im Auto nicht mehr anschnallen können. Ich weiss nicht, wie wir das hätten machen sollen. Nicholas und ich haben uns an diesem Tisch wirklich nur kurz angeschaut. Ohne etwas miteinander zu besprechen, haben wir beide gesagt, dass wir das nicht machen. Das war für uns beide völlig klar.


Stephi: Wusste sie zu diesem Zeitpunkt, was sie hatte? Habt ihr mit ihr gesprochen?

Simona: Nein.


Stephi: Ja. Hat sie auch nie gefragt, warum sie das hat oder warum sie jetzt diese Operation machen muss?

Simona: Bevor wir ins Kispi überwiesen wurden, hat sie gesagt, dass sie krank sei. Aber wir haben ihr auch nie gesagt … Es war immer eine Gratwanderung. Was sagt man ihr? Was sagt man ihr nicht? In ihrem Alter hatten wir noch nie über das Sterben gesprochen.


Stephi: Logisch. Wer spricht mit seinem Kind über das Sterben? Das ist ja so weit weg. Dieses Tabuthema ist schon für uns Erwachsene wahnsinnig schwer. Und mit Kindern darüber zu sprechen, das macht man nicht. Eine normale Familie macht das in der Regel nicht.

Simona: Genau. Auch aus psychologischer Sicht war das immer wieder die Frage. Ob wir nicht mit Tiia darüber reden wollten. Darüber, dass sie krank ist und dass verschiedene Dinge auf uns zukommen würden, oder vielleicht auch nicht. Das war für sie auch klar. Aber die Frage war, ob wir ihr nicht sagen wollten, dass sie vielleicht bald stirbt. Für mich war immer klar, dass ich das nicht mache. Denn sie weiss, wie gesagt … Wir haben nie darüber geredet. Sie weiss gar nicht, was das ist.


Stephi: Und es kann Angst machen.

Simona: Genau, das verunsichert sie.


Stephi: Total. Das würde ich als Mami auch ganz intuitiv sagen.

Simona: Genau, ja. Sie war, wie soll ich sagen … Vielleicht hat es mit dem ersten Kind zu tun, ich weiss es nicht. Sie war eine ganz Gemütliche und hat auch mit drei Jahren noch nicht sehr viel geredet. Und sie konnte mir dann auch keine Fragen stellen.


Stephi: Ja, logisch.

Simona: Es wäre gewesen, als würde ich ihr einfach etwas an den Kopf werfen. Im Kispi haben wir auch Bücher bekommen. Es gab ein Bilderbuch über einen Jungen mit einem Hirntumor. Wir haben es mit nach Hause genommen. Darin wird beschrieben, wie der Junge zur Bestrahlung geht, wie er zur Chemo geht und so weiter. Am Schluss geht es ihm wieder gut. Ich hatte dieses Büchlein immer bei mir im Schlafzimmer neben dem Bett. Als wir wussten, dass wir nichts mehr machen können, habe ich es zurückgegeben. Ich dachte, dass ich ihr nicht erklären kann, dass dieser Junge nun wieder gesund ist und es ihm wieder gut geht, während es bei ihr nie so sein wird. Darum fand ich, ich fange mit diesem Büchlein gar nicht erst an. Sie soll die Zeit, die sie noch hat, unbeschwert geniessen.


Stephi: Und dann habt ihr sie immer zu Hause gehabt. Das heisst, ab dem Moment, in dem ihr gesagt habt, dass ihr nichts mehr macht, musste sie auch nicht mehr zu Untersuchungen. Ihr habt sie zu Hause gehabt und für sie so normal wie möglich weitergemacht.

Simona: Ja, wobei normal eigentlich nichts mehr war. Wir wurden dann sehr vom Palliativteam des Kispi unterstützt. Es gab einmal eine Zusammenkunft, bei der wirklich alle zu uns nach Hause kamen, auch eine Einsatzleiterin der Kinderspitex und unser Kinderarzt, damit alle vom Gleichen sprachen. Dort stellten sie einen Betreuungsplan auf. Darin war festgehalten, welche Medikamente man ihr geben müsste oder geben könnte, falls sie einen Krampfanfall hätte oder es ihr sonst nicht gut ginge. Dort wurde auch so etwas wie eine Patientenverfügung erstellt, die wir unterschreiben mussten. Es ging darum, ob man sie reanimieren oder an Geräte anschliessen würde und so weiter. Für uns war völlig klar, dass wir das nicht wollten. Bei dieser Enddiagnose war klar, oder die Onkologin sagte uns, es sei das Schlimmste, was sie habe, beziehungsweise das Schlimmste, was ein Kind haben könne. Der schrecklichste Tumor sozusagen. Sie sagte aber auch, sie könne uns sagen, dass Tiia einfach einschlafen werde. Sie werde keine Schmerzen und Qualen haben. Das stand also im Raum. Mit den Palliativärzten konnten wir rund um die Uhr telefonieren. Es entstand fast eine kleine Familie. Man bindet sich dann sehr an diese Menschen. Die Kinderspitex war im Hintergrund da, falls wir sie gebraucht hätten. In den letzten zehn Tagen war sie dann tatsächlich bei uns im Haus.


Stephi: Die Kinderspitex?

Simona: Ja, genau.


Stephi: Hast du irgendwann gemerkt, dass sie immer mehr nachlässt, und gedacht, jetzt sei es wohl so weit?

Simona: Irgendwann konnte sie nicht mehr laufen. Sie konnte auch nicht mehr selbstständig essen, also Löffel und Gabel nicht mehr benutzen. Diese Schritte waren uns ein Stück weit vorausgesagt worden. Man hatte uns gesagt, was kommen könnte oder kommen würde, zum Beispiel, dass sie nicht mehr schlucken könne. Man merkte dann auch relativ schnell, ich würde sagen vier oder fünf Wochen vor ihrem Tod, dass sie nicht mehr gut schlucken konnte. Das Hirn funktionierte einfach nicht mehr richtig. Sie verschluckte sich oft, bei Wasser genauso wie bei Kartoffelstock. Einen Monat lang ernährten wir uns noch von Kartoffelstock und …


Stephi: Püriertem.

Simona: Genau, von pürierten Sachen. Und wir hatten wirklich rund um die Uhr Betreuung, schon von Anfang an.


Stephi: Hattet ihr auch jemanden für euch? Ich meine, das ist ja Wahnsinn. Du erfährst, dass dein Kind sterben muss, dass es den schlimmsten Tumor hat, den es gibt. Und als Elternteil musst du für dein Kind da sein, musst funktionieren, musst … oder? Für einen selbst ist das emotional brutal. Da braucht man doch auch Begleitung, nicht?

Simona: Ja. Im Kispi kam eine Psychologin ins Zimmer, auch ein Seelsorger kam ins Zimmer. Ich war damals aber an einem Punkt, an dem ich dachte, sie sollen einfach gehen und uns in Ruhe lassen. Ich wollte nichts davon wissen. Die Psychologin meldete sich danach ab und zu telefonisch.


Stephi: Hat sie das gemacht?

Simona: Ja, das hat sie gemacht. Aber von meiner Seite her war da immer diese Blockade. Und ich kann bis heute nicht sagen, warum.


Stephi: Ja. Vielleicht kann man sich das auch vorstellen, weil es ein so intimer Moment ist. Dein Kind geht. Und da hat sich niemand einzumischen. Irgendwie nicht.

Simona: Ja, ich wollte wirklich einfach Familie. Und alles, was auch nur ein bisschen mit dem Kispi zu tun hatte …


Stephi: Das wolltest du weg haben.

Simona: Ja, genau. Die Psychologin wollte dann auch einmal vorbeikommen. Sie hat auch eine Ausbildung als Klangtherapeutin, ich hoffe, ich sage das jetzt richtig. Tiia kam irgendwann in diese Phase der Unruhe. Die Psychologin meinte, sie würde sonst vorbeikommen und …


Stephi: Musiktherapie, oder?

Simona: Genau. Sie wollte versuchen, sie ein wenig zu beruhigen. Für mich war aber völlig klar … Ich konnte sonst sehr schlecht Nein sagen, aber dort sagte ich einfach, nein, das kommt nicht infrage. Es kommt niemand mehr hierher, der nicht zwingend notwendig ist. Und Tiia hätte es auch gar nicht zugelassen. In ihrer Endphase zeigte sie ganz klar, wen sie ertragen mochte und wen nicht.

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Zeitabschnitt

Zeit des Sterbens

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Stephi: Konnte sie nach Hause gehen?

Simona: Ja. Das war für uns schon fast ein Muss. Dass man wirklich …


Stephi: Das kann ich auch nachvollziehen. Man will, dass das Kind zu Hause ist, wenn das passiert.

Simona: Ja. Und für uns war das auch völlig … Wie soll ich sagen? Weisst du, ich hatte nie das Gefühl … Ich habe danach sehr viel gelesen, im Internet, in Blogs, in Büchern und so weiter. Auch Menschen von aussen fragten dann, wie wir das könnten. Wie das sei, zu wissen, dass mein Kind in diesen vier Wänden gestorben ist. Für uns war das völlig …


Stephi: In Ordnung, oder?

Simona: Total. Absolut.


Stephi: Ich kann das nachvollziehen, weil wir die Urne von Maria zu Hause haben. Für viele ist das befremdlich. Wir haben sie nicht so stehen, dass alle sie sehen. Aber für mich ist es schön, weil es ein wohliges Gefühl ist. Ich kann es gar nicht anders beschreiben. Ich glaube aber, es ist wahrscheinlich eine ähnliche Emotion. Sie ist bei mir, bei uns zu Hause. Sie ist in der Familie, und es ist in Ordnung. Es gehört einfach dazu.

Simona: Genau.


Stephi: Und sie gehört dazu. Und ich glaube, bei euch war es doch ähnlich. Das Kind gehört in die Familie. Und das Sterben ist so intim. Das soll nicht an einem fremden Ort geschehen. Nicht für das Kind.

Simona: Ganz genau.

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Zeitabschnitt

Unmittelbar nach dem Tod

Lesezeit ca. 7 min
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Stephi: Danach schliesst sich der Kreis. Es ist ja nichts Schlimmes. Natürlich ist es schlimm, wenn das Kind stirbt, aber es gehört einfach nach Hause.

Simona: Genau. Früher war ich anders. Wenn Grosseltern oder andere Menschen gestorben sind, konnte ich mir einen toten Menschen nie anschauen. Irgendetwas in mir hat blockiert. Es ging nicht. Inzwischen finde ich, dass es zum Leben gehört.


Stephi: Mhm. Durfte Tiia dann noch ein bisschen da sein? Kann ich das so sagen? Sind die Leute noch gekommen? Oder habt ihr gesagt, dass ihr das gar nicht wollt?

Simona: Mhm, das war sehr speziell. Für uns beide war klar, dass sie so schnell wie möglich weg muss. Das klingt jetzt vielleicht etwas hart. Aber wir wollten sie nicht noch zwei Tage zu Hause behalten oder so. Sie ist am frühen Morgen gestorben. Ich würde sagen, innerhalb von eineinhalb Stunden, vielleicht sogar innerhalb einer Stunde, waren wirklich alle da.


Stephi: Ja, alle, die hätten da sein können.

Simona: Genau. Für mich war auch der Kontakt mit dem Bestattungsamt speziell, vor allem mit dem Mann vom Friedhof, also mit dem Bestatter selbst. Inzwischen verstehe ich es. Es ist unglaublich schwierig, mit Eltern zu kommunizieren, die gerade ihr Kind verloren haben. Das ist sehr schwierig.


Stephi: Ja, das ist so.

Simona: Trotzdem war es für mich so, dass er mich anrief und sagte, wir hätten einen Todesfall im Haus. Ich war am Telefon und dachte, ja, das stimmt. Wir haben einen Todesfall im Haus. Und dann begann ein bisschen die ganze Tortur. Er fragte, wann sie sie holen könnten. Ich sagte am Telefon wirklich nur, dass ich möchte, dass sie bis am Mittag weg ist. Sie durfte noch diese sechs Stunden haben, und um den Mittag wäre ich sehr froh gewesen. Dann hiess es, das gehe nicht. Sie kämen erst am späten Nachmittag. Da dachte ich, wenn es nicht anders geht, dann ist es eben so. Dann wurde noch zum Thema, dass sie bei uns keinen Kindersarg hatten. Er sagte, wenn sie so rasch kommen müssten, also in den nächsten sechs, sieben Stunden, müssten sie einen Erwachsenensarg nehmen. Da sagte ich, dass das nicht infrage kommt. Nein.


Stephi: Ja, also.

Simona: Ich wollte sie in einem schönen Kindersarg haben. Danach hat er sich wahrscheinlich selbst etwas ins Zeug gelegt. Am Telefon war er eben recht barsch.


Stephi: Ja, vielleicht verlieren sie irgendwann die Emotionen.

Simona: Genau.


Stephi: Bei uns war es ähnlich. Aber irgendwie ist das auch keine Entschuldigung, oder?

Simona: Nein. Ja, ich weiss, was du meinst.


Stephi: Man versucht irgendwie, das Verhalten nachzuvollziehen.

Simona: Genau.


Stephi: Man erklärt es sich damit, dass sie wahrscheinlich jeden Tag damit zu tun haben. Für sie ist es …

Simona: Am Nachmittag um zwei läutete es dann an der Tür, und sie standen da. Für uns war das wieder ein Moment, in dem wir völlig unvorbereitet waren. Wir wollten ja, dass sie möglichst schnell in die Aufbahrung kommt. Aber dass man uns nicht mehr informiert und gesagt hat, dass sie etwa um eins oder um zwei kommen, das wäre sehr schön gewesen.


Stephi: Ja, dann hättest du noch einmal Tschüss sagen können, oder du hättest noch ein bisschen mehr Zeit gehabt.

Simona: Ja. Am Nachmittag kam sie dann in die Aufbahrung. Wir hatten einen Schlüssel zu diesem Raum, und ich selbst bin noch zwei- oder dreimal hingegangen. Beim letzten Mal, ich glaube, das war am Samstag, war es für mich so, dass es jetzt gut ist. Jetzt ist es wirklich gut. Sie ist nur noch als Hülle da.


Stephi: Das merkt man, gell.

Simona: Und es bringt mir nichts mehr, wenn ich jetzt noch einmal komme.


Stephi: Ja, weil es wirklich nur noch eine Hülle ist.

Simona: Ja, total.


Stephi: Ich finde das auch so faszinierend. Ich habe das ebenfalls erlebt. Als ich zu ihr hineinging, habe ich gemerkt, dass das Menschsein viel, viel mehr ist als der Körper, den wir jeden Tag sehen.

Simona: Das ist so, ja.


Stephi: Und ich finde, wir haben es durch die Geburt auf die Welt gebracht. Es ist auch wichtig, dass man irgendwie sieht, dass es nur noch die Hülle ist. Ich kann diese Emotion nachvollziehen.

Simona: Ja, und für mich war es dann gut. Sie kam bereits am Montag ins Krematorium, aber die Beerdigung selbst haben wir erst zwei Wochen nach dem Tod gemacht. Es ist so klein. Ja, es war insgesamt sehr streng. Wir sind in dieser Zeit auch noch umgezogen.


Stephi: Ja, ich erinnere mich, ja.

Simona: Das haben alles meine Schwester und ihr Mann in die Hand genommen. Dann ist man im neuen Zuhause, und trotzdem … ach, es ist so seltsam.


Stephi: Es fehlt jemand.

Simona: Genau, ja. Darum haben wir die Beerdigung erst zwei Wochen später gemacht, damit es dazwischen noch eine Verschnaufpause gab.


Stephi: Hast du dich auf den Tod vorbereitet gefühlt? War der schlimmste Moment der, als sie gegangen ist, oder eher der Moment, als die Diagnose kam?

Simona: Ja, definitiv. Für mich war es sehr erlösend.


Stephi: Als sie gehen konnte.

Simona: Mhm. Für sie.


Stephi: Natürlich. Aber für dich als Mami ja auch?

Simona: Ja, klar. Aber nicht wegen des Aufwands oder so. Sie hatte dann auch ein völliges Chaos mit Tag und Nacht. Sie konnte nicht mehr einschlafen und war sehr unruhig. Das war schlimm. Es begann etwa drei Wochen vor ihrem Tod, und die letzten sieben, acht Tage waren wirklich Horror. Sie hat nur noch gewimmert und ist am Boden herumgerollt. Es war wirklich eine Katastrophe. Darum war es auch so erlösend.


Stephi: Für sie dann, ja. Und danach muss man sich wieder sortieren, oder? Jemand fehlt.

Simona: Weil die letzten Tage und Wochen so intensiv waren, kommt man einfach in den Funktionsmodus. Für mich war es wichtig, dass die Abschiedszeremonie, blöd gesagt, bombastisch wird.


Stephi: Ja, so, wie du es dir gewünscht hast.

Simona: Und ich habe mich dann ein Stück weit darauf eingelassen. Ich bin ein sehr organisierter, durchgeplanter Mensch, und in dieser Situation konnte man nichts planen. Man konnte nichts tun, man hatte nichts mehr in der Hand. Für mich war es dann so, dass ich wieder Fuss fassen konnte, indem ich mich in etwas hineingab und dadurch wieder ein wenig in Bewegung kam. Für uns war von Anfang an klar, dass das Leben weitergeht.


Stephi: Ja, ja, es geht ja auch weiter. Vielleicht bleibt es einen Moment stehen, aber es geht weiter. Und ihr wolltet noch einmal ein Kind haben.

Simona: Ja, ganz genau. Dann habe ich die ganze Abschiedsrede geschrieben. Sie musste stark gekürzt werden, weil ich eigentlich eine kleine Biografie geschrieben hatte. Ausserdem mussten wir einen Ort für die Beerdigung finden. Für uns war klar, dass sie nicht auf dem Friedhof stattfinden sollte. Sie ist auf dem Friedhof beerdigt, sie hat dort ihr Gräbli. Aber die Beerdigung selbst sollte nicht dort sein. Oder besser gesagt, die Abschiedszeremonie sollte nicht dort stattfinden. Also machten wir uns auf die Suche und haben uns Gedanken gemacht. Wir fanden dann wirklich einen traumhaften Ort in Frauenfeld, dort, wo Nicholas und ich ursprünglich einmal heiraten wollten. Geheiratet haben wir dann aber an einem anderen Ort. Dann stellte sich die Frage, ob der Besitzer das zulassen würde. Es ist ein Schloss in Privatbesitz. Wir fragten uns auch, ob er das überhaupt möchte. Er ist der Schlossbesitzer. Wie ist das für ihn? Sonst finden dort Hochzeiten und Geburtstagsfeste statt. Wir haben ihn dann kontaktiert, und er war so toll. Wirklich. Er sagte, wir sollten das machen, und er mache mit. Wir konnten die Zeremonie bei ihm hinten im Garten machen, mit der Kulisse des Schlosses.


Stephi: Ach, schön.

Simona: Es war wirklich sehr speziell. Dadurch konnte ich mich auch ein wenig darin vertiefen.


Stephi: Du konntest weiter funktionieren.

Simona: Ja, genau. Organisieren, planen. Und mich wieder Liva annehmen. Ja, wieder versuchen … Wieder in den Alltag hineinzukommen. Gleichzeitig ist der Alltag immer noch nicht derselbe.

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Zeitabschnitt

Mit der Trauer Leben

Lesezeit ca. 17 min
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Stephi: Ja. Man verändert sich, oder? Das Leben verändert sich, die Sicht auf das Leben verändert sich, und man selbst verändert sich auch, wenn man so etwas durchmachen musste. Man ist nicht mehr derselbe Mensch wie vorher. Das ist einfach so, ja. Musstet ihr euch anhören, dass ihr ja noch jung seid und noch einmal ein Kind haben könnt? Haben euch Leute das gesagt? Das musstet ihr nie hören?

Simona: Nein, daran kann ich mich gar nicht erinnern. Für uns war auch ein Stück weit klar, dass die Familienplanung abgeschlossen war. Also ja, für uns ist …


Stephi: Ihr habt sozusagen zwei gesunde Kinder, oder?

Simona: Genau, ganz genau. Ja, es ist gut so.


Stephi: Ja. Das war im Krispi schon ein Thema, als Nicholas sagte, wir müssten noch einmal ein Kind bekommen.


Stephi: Dieser Impuls kam also eigentlich, als die Diagnose da war. Wir sagen immer, es ist der Verlust des Kindes, der unglaublich schmerzt. Aber es ist auch die Zukunft, die einem genommen wird. Das Lebensmodell, das man sich aufgebaut hat.

Simona: Ja. Für mich war es aber so, dass ich dachte, oh nein, was bringst du da für eine Idee? Erstens wussten wir damals noch nicht, welche Therapien auf uns zukommen würden oder was überhaupt auf uns zukommt. Für mich war einfach klar, dass ich mich mit dieser Idee nicht anfreunden konnte.


Stephi: Ja, so weit weg war das damals noch.

Simona: Ja, nein. Und dann war es erst einmal gut, sage ich mal. Nachdem Tiia gestorben war, kam das Thema bei ihm wieder auf.


Stephi: Er hatte also eher das Gefühl, er hätte gerne noch einmal …

Simona: Mhm. Und ich glaube, es war nicht einmal egoistisch auf ihn bezogen, sondern es ging eben um dieses Familienbild, wie du es vorher gesagt hast.


Stephi: Mhm. Es ist zusammengerückt.

Simona: Genau. Und er sagte auch immer, weisst du, für Liva. Und ich dachte immer, ja, okay. Ich konnte mich in diesem Moment wirklich nicht mit dem Gedanken anfreunden. Wirklich nicht. Für mich war es dann im Spätsommer 2022 so, dass ich dachte, ja, es wäre schon schön. Und sie war wie so …


Stephi: Sie ist im Juli gestorben.

Simona: Genau, im Juli. Sie ist Anfang Juli, am 7. Juli, gestorben.


Stephi: Und ein paar Wochen später hattest du dann das Gefühl, ach …

Simona: Genau, ja. Es würde passen, jetzt auch für mich. Nicht nur für das Familienbild, sondern wirklich auch für mich. So kam das dann ein wenig in Gang.


Stephi: Ja, logisch. Hattest du Angst, dass Liva auch einen Hirntumor haben oder krank sein könnte?

Simona: Bei der Diagnose wurde gleich gesagt, dass es nicht genetisch sei. Also, weisst du …


Stephi: Das ist einfach wie …

Simona: Bei den Kindern, die diesen Tumor haben, kann man nichts zurückverfolgen. Das war schon sehr beruhigend. Was auch noch dazukommt, ist diese Art von Vergleich, die manche Leute machen. Das finde ich sehr schwierig. Wenn sie zum Beispiel sagen, schau mal, wie Tiia, oder …


Stephi: Ja, ja. Sie machen das jetzt bei Liva.

Simona: Genau. Sie sehen sich immer ähnlicher. Ja, und dann schaut man manchmal schon genauer hin. Nicholas hatte grosse Ängste, dass Liva etwas passieren könnte.


Stephi: Ich habe das Gefühl, das schwingt nachher bei einer neuen Schwangerschaft mit. Oder nicht? Man verbindet es damit. Jetzt kommt wieder ein Kind. Wir sagen also ja zu einem Leben. Und damit sagen wir auch wieder ja dazu, es allenfalls in den Tod zu begleiten. Er hat es ja erlebt. Es kann ja passieren. Und darüber macht man sich vorher, wenn man Kinder möchte, gar keine Gedanken.

Simona: Nein.


Stephi: Aber wenn man es erlebt hat, macht man sich in einer neuen Schwangerschaft diese Gedanken und hat diese Ängste. Oder hattet ihr das gar nie?

Simona: Doch, schon. Ich habe in der Schwangerschaft auch zusätzliche Tests machen lassen. Genau aus diesem Grund. Und der Gedanke kommt während der ganzen Schwangerschaft immer wieder, ob wirklich alles in Ordnung ist. Wie geht es mir, wenn er auf die Welt kommt und etwas nicht stimmt? Ich glaube, durch den Tod sind in mir Kräfte entstanden, geboren oder geweckt worden, um alles sehr realistisch zu sehen.


Stephi: Mhm. Ja, man ist nicht mehr auf dieser rosaroten Wolke. Man übersieht nichts mehr. Was soll denn schon passieren, wenn man gesunde Kinder hat?

Simona: Genau, ganz genau. Ich glaube, man geht auch mit einer gewissen Gleichgültigkeit durchs Leben. Gleichgültigkeit ist vielleicht das falsche Wort, aber im Sinn von, wir haben die Krankheit und den Tod miteinander überlebt. Was soll noch Schlimmeres kommen?


Stephi: Ja, das ist so. Man fühlt sich so. Ich weiss, was du meinst. Man hat keine Superkräfte, aber … Wie beschreibt man das? Man hat auch das Gefühl, jetzt kann nichts mehr passieren. Wenn ich das erlebt habe, dann haut mich nichts mehr um.

Simona: Ja, genau. Genau, so in diesem Stil. Ja, nach dem Motto, wir wünschen uns ein weiteres Kind.


Stephi: Und was auch immer du uns bringst, wir schaffen es. Wolltest du das Geschlecht wissen? War das in der Schwangerschaft für dich wichtig, um dich darauf vorzubereiten, was später auf dich zukommt? Oder nicht?

Simona: Bei den Mädchen haben wir es auch gewusst, bei beiden. Bei ihnen erfuhren wir es aber erst etwa in der Mitte der Schwangerschaft, oder eher spät, würde ich sagen. Nicholas sagte immer, er sei ein Mädchen-Papi. (lacht) Da macht man sich gar keine weiteren Gedanken. Als ich mit Olivia schwanger war, fand ich eigentlich, die Frauenärztin müsse gar nicht nachschauen, weil er ja sowieso nur Mädchen könne. Also, in Anführungszeichen, nur Mädchen. Weil ich aber diesen Zusatztest machen liess … Wann macht man den? In der zwölften Woche, glaube ich. Die Frauenärztin sagte, sie müsse auf dem Laborbericht ankreuzen, was alles untersucht werden soll. Man könne auch das Geschlecht jetzt schon bestimmen lassen. Für mich war das klar. Ja, sowieso. Nicholas war in dieser Zeit in einem Nebenraum am Telefonieren. Ich sass im Labor, weil mir Blut abgenommen wurde, und sagte einfach Ja. (lacht) Danach dachte ich, oh nein, habe ich jetzt einen Fehler gemacht? Nicholas war, wie gesagt, in einem Nebenräumchen am Telefonieren. Als ich aus dem Labor kam, sagte ich ihm, ich hätte jetzt einfach gesagt, sie sollen das Geschlecht bestimmen, und ich hätte unterschrieben. Ich fragte ihn, ob das für ihn in Ordnung sei. Er sagte, ja, ja, das sei alles gut. Ich weiss nicht mehr genau, doch, ich glaube, es dauerte etwa zehn Tage, bis sie das Resultat hatten. Dann rief sie mich an und sagte, es sei alles gut, nichts sei auffällig. Ich sagte, ja, das ist ja super. Sehr schön. Und das andere, das Geschlecht? Sie fragte, ob wir es wissen wollten. Ich sagte, ja, sicher wollten wir es wissen, ich hätte das ja von Anfang an gesagt. Dann sagte sie, es werde ein Bub.


Stephi: Das hat dich überrascht.

Simona: Ich war völlig sprachlos. Wirklich. (lacht)


Stephi: Ja, du warst auf ein Mädchen eingestellt.

Simona: Ja, es war nicht negativ oder so. Gar nicht. Aber was? Wir? Ein Bub? Später rief ich Nicholas an und sagte ihm, sie habe angerufen, es sei alles gut. Er sagte, ja, okay, das interessiere ihn nicht einmal so sehr. Was denn mit dem anderen sei, mit dem Geschlecht? Und dann sagte ich, du, ja, wir können alles neu kaufen.


Stephi: Das ist süss. (lacht)

Simona: Danach hörtest du gefühlt eine Minute lang nichts mehr. Wir mussten uns zuerst damit anfreunden. Im Nachhinein muss ich sagen, es musste wohl einfach so sein. Wir hatten nicht noch einmal einen direkten Vergleich. Auch mit der ganzen Krankheit und allem. Es ist jetzt ein anderes Geschlecht. Es ist jetzt anders.


Stephi: Es kommt jetzt ein neues Kind.

Simona: Genau.


Stephi: Hattest du Angst, dass das Baby ihr den Platz wegnimmt?

Simona: Nein.


Stephi: Gar nie?

Simona: Nein.


Stephi: Hattest du diese Angst in der Schwangerschaft nie?

Simona: Nein. Ganz am Anfang war das einmal ein wenig Thema. Da kamen auch solche Gedanken auf, auch im Zusammenhang mit der Familie und den Verwandten. Ich dachte dann, hey, nein. Nicht, dass sie jetzt einfach denken, na ja, jetzt haben sie wieder ihre zwei Kinder.


Stephi: Mhm, also so nach dem Motto …

Simona: So ein Ersatz.


Stephi: Jetzt ist mit der Schwangerschaft wieder alles gut.

Simona: Ja, genau. Ganz genau. Das hat sich dann wirklich stark auf die Schwangerschaft verlagert. Und jetzt ist es vielleicht wieder ein bisschen Thema, wenn auch eher klein.


Stephi: Ja, jetzt, wo er da ist.

Simona: Nicht einmal unbedingt in der Familie.


Stephi: Ja, aber bei Fremden.

Simona: Ja, genau. Bei Aussenstehenden. Ich finde, es gibt verschiedene Schubladen. Die einen leben völlig mit uns mit, sage ich jetzt einmal, und wissen, dass Leevi kein Ersatz ist. Dann gibt es jene, die vielleicht nicht so genau wissen, wie sie damit umgehen sollen oder weshalb wir jetzt nochmals ein Kind haben. Und dann gibt es wirklich die, wobei man sie an einer Hand abzählen kann, die finden, jetzt habt ihr ja zwei Kinder. Das finde ich für mich sehr zermürbend.


Stephi: Mhm. Jetzt ist es wieder gut, ja.

Simona: Wir haben nicht zwei Kinder, wir haben drei Kinder. Und das bleibt so, ein Leben lang. Ja, das ist schon besonders.


Stephi: Das hatte ich auch in der Schwangerschaft. Ich glaube aber, dass diese Emotion bei mir etwas stärker war als bei dir. Ich hatte immer das Gefühl, ich müsse mich rechtfertigen, wenn ich sage, dass ich schwanger bin. Es ist aber kein Ersatz, und deshalb ist es nicht wieder gut. Ich habe das wirklich oft gesagt und hatte das Gefühl, ich müsse mich rechtfertigen.

Simona: Wenn du sagst, es sei nicht wieder gut, dann hat das bei mir vielleicht schon viel früher angefangen. Auch dort gibt es sehr viele Menschen, sei es im Freundeskreis, in der Familie oder anderswo, die finden, jetzt komme ja wieder der normale Alltag. Jetzt sei es ja wieder gut. Und ich finde, nein. Er begleitet uns ein Leben lang. Wir haben wieder glückliche Stunden, glückliche Momente. Wir können wieder lachen. Aber trotzdem begleitet es uns ein Leben lang. Und nichts ist mehr so, wie es einmal war. Auch für uns ist es nicht mehr normal. Wir haben jetzt eher einen neuen normalen Alltag. Das finde ich schon sehr besonders. Ich glaube, das hat mich auch ein Stück weit dazu gebracht, es im Leben nicht allen recht machen zu wollen. Schau auf dich, schau auf deine Familie und grenze dich klar ab. Ich habe das Gefühl, solche Dinge machen es einem noch schwerer. Weisst du, das zermürbt einen. Es ist ein elendes Kopfkarussell.


Stephi: Ja, das ist wirklich so. Neben dem Schmerz, neben dem Verlust und neben dem neuen Kind, das so viele Emotionen auslöst, muss man auch noch die Gesellschaft ein Stück weit mittragen. Oder die Menschen, die einem das Gefühl geben, jetzt müsse es aber wieder gut sein.

Simona: Genau. Und dann fragt man sich, wann es denn wieder gut sein muss.


Stephi: Man muss gewissermassen auch noch Erwartungen erfüllen. Und darunter leidet man, wenn man so etwas erlebt hat. Ja, das ist definitiv so. Wie geht es dir heute mit Leevi? Ich sage immer, als Kiana auf die Welt kam, hatte ich unglaublich Angst vor diesem Moment. Bei uns war es das gleiche Geschlecht. Schon diese Angst ist wieder enorm, und es löst auch wieder sehr viel aus. Ich hatte Angst, dass ich sie nicht annehmen kann. Ich hatte wirklich grosse Angst. Und als sie dann da war, war alles weg. Für mich war sie ein neues Geschöpf, und das war heilsam. Es gibt mir Heilung. Es nimmt die Wunde nicht weg.

Simona: Nein, nein.


Stephi: Und der Schmerz bleibt. Aber wie du sagst, es gibt wieder etwas mehr Lebensfreude, eine neue Aufgabe. Es ist heilsam.

Simona: Ja, genau. Ich glaube, ich empfinde das ziemlich ähnlich. Weil Liva erst zwei ist, ist es recht anstrengend, würde ich sagen. Der Abstand von Tiia zu Liva betrug knapp drei Jahre. Tiia war sehr gemütlich. Sie hat sehr viel und sehr gut allein gespielt. Liva ist jetzt vier Jahre jünger, wenn das Geschwisterchen kommt. Sie spielt sehr gern Baby, das hat sie schon vorher gemacht. Und sie vergleicht es dann immer mit dem Baby, weil es so klein ist. Dann drückt sie es und macht und tut. Sie meint es sehr herzig, aber es ist eben ein echtes Menschlein und keine Puppe. Dadurch ist es eher anstrengend. Auf der einen Seite hatte ich auch grosse Angst. Auf der anderen Seite bin ich völlig erwartungslos darauf zugegangen. Ich nehme es, wie es kommt.


Stephi: Mhm. Das hast du wirklich gelernt, nicht? Dass du es nimmst, wie es kommt. Durch den Prozess mit Tiia.

Simona: Ja, ich glaube schon.


Stephi: Du hast gelernt, dass du im Leben nicht alles im Griff hast. Du nimmst es, wie es kommt.

Simona: Ja, wirklich. Diese Erwartungslosigkeit hat mir, glaube ich, sehr geholfen. Als er dann auf der Welt war, habe ich auch immer gedacht, dass es wirklich das gleiche Gefühl ist wie damals bei den Mädchen.


Stephi: Mhm. Vielleicht auch, weil es ein Bub ist.

Simona: Ja, auch das. Und eben nach diesem ganzen Schicksalsschlag und allem. Es war wirklich leicht. Es war sehr schön. Und wie du sagst, diese Schale voller Angst ist dann weggefallen. Sie war wie ausgeleert. Auch jetzt kommt manchmal kurz der Gedanke auf, dass ihm nichts passieren darf. Natürlich darf Liva auch nichts passieren. Aber emotional hat mich das nicht heruntergezogen. Überhaupt nicht. Bei der Anmeldung im Spital habe ich einen kleinen Brief beigelegt und unsere Geschichte kurz erklärt, damit sie ein wenig Bescheid wissen. Das war sehr spannend.


Stephi: Wie sie darauf reagiert haben. Hast du das Gefühl, dass sie anders waren?

Simona: Ja. Einige, ob Hebamme, Ärztin, Arzt oder Pflegefachperson, fanden einfach keinen Zugang zu diesem Thema. Sie wussten nicht, wie sie es ansprechen sollten. Andere waren genau das Gegenteil.


Stephi: Was war dir lieber?

Simona: Ich glaube schon die, die auf einen zukommen. Und nicht so tun, als wäre nichts. Man hat gemerkt, wenn es gespielt war.


Stephi: Ja, das merkt man.

Simona: Furchtbar, ja. Es tut …


Stephi: Ja, es tut einem leid. Dass man Menschen nur durch die eigene Anwesenheit in so eine Situation bringt.

Simona: Auch die Hebamme, die bei uns das Wochenbett gemacht hat, war sehr speziell. Bei den Mädchen hatte ich im Wochenbett dieselbe Hebamme. Damals fand ich schon, dass man beim dritten Kind vieles lockerer nimmt. Irgendwann kam dann der Moment, in dem ich wieder eine Wochenbetthebamme brauchte. Es war aber von Anfang an klar, dass ich nicht die Hebamme nehmen würde, die ich bei den Mädchen gehabt hatte. Einfach, um dieses Kapitel irgendwie …


Stephi: Abzuschliessen.

Simona: Genau, abzuschliessen. Ich habe dann gar nicht lange überlegt. Das ist sehr spannend. Eine Hebamme, die im Gebärsaal im Spital arbeitet, hat Tiia auf die Welt gebracht. Sie war also bei Tiias Geburt dabei. Bei Liva war sie einmal kurz dabei, bei der Geburt selbst schliesslich aber nicht. Und sie kam mir wirklich wie ein Blitzgedanke in den Sinn. Da fand ich, ich frage einmal sie. Ich habe sie dann angefragt, und sie hat ohne Weiteres gesagt, ja, wieso nicht. Ihr bin ich so dankbar. Sie hat das so unkompliziert und völlig locker genommen. Sie hat das Thema nicht ausdrücklich angesprochen, aber doch gewisse Fragen gestellt. Diese Mischung fand ich sehr schön.


Stephi: So ein natürlicher Umgang.

Simona: Ganz genau. Das habe ich sehr geschätzt. In dieser Zeit, in der sie uns besuchen kam. Man konnte die Ängste noch einmal teilen. Und sie hat eben einmal etwas dazu gefragt und nicht einfach gedacht, sie frage lieber nicht.


Stephi: Ja, genau. Aber auch nicht zu viel, oder?

Simona: Genau, völlig im Rahmen.


Stephi: Schön. Was würdest du Eltern mitgeben, die in einer ähnlichen Situation sind? Gibt es etwas, von dem du sagst, das sei euch sehr wichtig gewesen, oder das würdet ihr anders machen, oder das würdet ihr wieder genauso machen? Menschen sind individuell, und jeder macht es anders. Aber ich finde es manchmal schön zu hören, was jemandem sehr wichtig war oder was jemand als schön empfunden hat, weil diese Möglichkeit da war.

Simona: Ich glaube, das Wichtigste … nein, ich weiss es. Für mich ist das Wichtigste wirklich, realistisch zu bleiben. Und es nicht schönzureden oder nicht wahrhaben zu wollen. Das haben wir in unserem Umfeld auch erlebt. Ich war von Anfang an sehr realistisch. Nicholas eigentlich auch. Bei ihm kam einfach noch ein wenig Verzweiflung dazu. Das liess es bei ihm nicht richtig zu. Aber es gab im Umfeld viele Menschen, die es nicht realistisch sehen konnten. Und das macht alles viel schwieriger. Viel schwieriger. Das finde ich sicher sehr wichtig. Und dass man ein wenig egozentrisch wird. Dass man sich Hilfe holt und Hilfe annimmt. Das war für mich das Schlimmste. Nicht mehr eigenständig zu sein, nicht mehr schalten und walten zu können, wie ich es gewohnt war. Meine Schwester und mein Schwager sind hierhergezogen. Sie wohnen keinen Kilometer von uns entfernt. Sie sind schon hierhergezogen, als wir noch am alten Ort gewohnt haben. Schon vor dem Umzug haben sie eigentlich bei uns gewohnt und den ganzen Alltag übernommen.


Stephi: Wunderschön. Und auch für sie war es nicht einfach.

Simona: Ja, sehr. Irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem wir merkten, dass der Fokus zwar schon bei den Kindern lag, aber noch viel klarer und ungestörter bei ihnen liegen musste. Deshalb haben wir den Hund in die Hundepension gegeben. Und Liva hat die letzten zehn Tage, oder fast zwei Wochen, in denen Tiiana noch gelebt hat, bei meinen Eltern gewohnt. So konnten wir wirklich bei Tiiana sein. Ich habe Livas Schreien irgendwann nicht mehr ertragen und fand, dass wir auch sie schützen mussten. So konnten wir den Fokus ganz auf Tiiana richten. Aber es braucht sehr viel Mut, so viel Hilfe anzunehmen und …


Stephi: Ja, und so bewusst in diese Situation hineinzugehen, oder?

Simona: Ja, genau. Genau.


Stephi: Schön. Ich bin sehr beeindruckt. Ich finde es sehr schön, wie du darüber sprechen kannst. Man kann die Emotionen, die ihr durchgemacht habt, sehr gut nachvollziehen. Und ich finde es schön, dass es euch den Umständen entsprechend gut geht. Dass ihr positiv weitergehen konntet. Vielen, vielen Dank, dass ich hierherkommen durfte.

Simona: Ich danke dir vielmals.


Stephi: Und dass du uns in eure Welt gelassen hast.

Simona: Ich danke dir vielmals. Wie gesagt, ich finde es sehr wichtig, dass es solche Angebote gibt und dass du dich diesem Thema annimmst.


Stephi: Danke.

Simona: Und dass du es ein Stück weit öffentlich machst. Denn ich glaube, erst wenn man so etwas erlebt, merkt man, wie verschlossen alles ist.


Stephi: Mhm. Wie wenig man darüber spricht und wie wenig man es zum Thema macht.

Simona: Ja. Und ich zähle uns da auch dazu. Wir waren vorher auch so.


Stephi: Ja, das geht mir auch so.

Simona: Wie schlimm ist das denn? Ja, das ist ihnen passiert, aber … Gott sei Dank ist es nicht mir passiert.


Stephi: Man ist dann so dankbar.

Simona: Genau. Nicholas und ich haben oft zueinander gesagt, wenn wir irgendeine Doku geschaut haben, Happy Day oder was es alles gibt, mit diesen schlimmen und traurigen Geschichten dahinter, wie schön es ist, dass wir zwei gesunde Kinder haben. Und plötzlich ist es nicht mehr so. Deshalb finde ich es sehr wichtig, hinzuschauen. Auch für betroffene Menschen, für betroffene Eltern, ist es wichtig, dass es Anhaltspunkte gibt, an die man sich wenden kann. Ich musste mich auch selbst auf die Suche machen. Dann habe ich dich gefunden. Dadurch habe ich auch noch zwei, drei andere ganz tolle Frauen kennengelernt. Aber man muss sich selbst darum kümmern. Und diese Kraft muss man zuerst haben. Darum finde ich es sehr schön.


Stephi: Solche Angebote braucht es einfach. Das finde ich auch. Es ist wichtig, hineinhören zu können, wie andere es gemacht haben, wie es ihnen geht, und dass man sich austauschen kann.

Simona: Ganz genau.


Stephi: Zum Glück ist unsere Welt ja eine kleine Welt. Es gibt zum Glück nicht viele Mamis und Papis von Sternenkindern. Und trotzdem gibt es sie. Man darf es nicht vergessen. Vielen Dank.

Simona: Ich danke dir vielmals. Schön, dass du gekommen bist.

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